Allwetterzoo Münster

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Schon sehr lange stand dieser Zoo auf unserer Ausflugsliste und am vergangenen Dienstag war es so weit: Wir haben uns morgens auf nach Münster gemacht. 

Voller Vorfreude standen wir an der Kasse und als wir an der Reihe waren, bekamen wir den ersten Dämpfer. Nachdem der Herr des Hauses seinen Behindertenausweis vorlegte, meinte die gute Frau an der Kasse wörtlich "Den können sie gleich wieder einstecken, der ist hier nichts wert. Und die Begleitperson bekommt nur freien Eintritt, wenn ein B im Ausweis vorhanden ist und das steht auch so auf der Preisliste!" Den gesamten Wortwechsel wollen wir Euch hier ersparen. Wir waren über die ruppige Art ziemlich verwirrt, denn wir sehen den Behindertenausweis absolut nicht als Mittel, um überall günstigeren Eintritt zu bekommen. Aber wenn es angeboten wird, nehmen wir es auch wahr; genug Einschränkungen hat der Herr des Hauses wegen seiner Behinderungen eh. Aber man muss sich auch nicht als Bittsteller behandeln lassen und an der Kasse diskutieren. Fakt ist, dass nur Behinderte, die auf eine Begleitperson angewiesen sind, eine Ermäßigung bekommen, das geht aber aus der Preisliste definitiv nicht hervor. 

Nun gut, nachdem wir dieses Erlebnis unter "Shit happens" verbucht hatten, machten wir uns auf die Socken und wollten den Zoo erkunden. Nach einiger Zeit kamen wir zu einer Halle, in der das Pferdemuseum untergebracht ist. Der Eintritt ist im normalen Eintrittspreis enthalten. Kaum waren wir im ersten Ausstellungsraum, kam ein mit beiden Händen wild fuchtelnder Mann auf uns zu und rief uns schon aus mehreren Metern Entfernung zu "Hier ist das Trinken verboten! Das dürfen sie hier nicht!!" Anlass für sein Verhalten war der Herr des Hauses, der aus seiner mitgeführten Trinkflasche, die mit normalem Wasser gefüllt ist, einen Schluck nahm. Als der Mann vor uns stand, machte er uns noch mal deutlich, dass hier unter keinen Umständen getrunken werden darf. Wir wollten ihm erklären, dass es sich in der Flasche um klares Wasser handelt und der Herr des Hauses aufgrund seiner Behinderung darauf angewiesen ist. Man(n) ließ uns aber gar nicht zu Wort kommen und fertigte uns ab.  Der Gipfel war, als man uns sagte, dass wir das Museum halt nicht besichtigen könnten und mit den Worten "Es gibt hier ja noch mehr zu gucken!" verabschiedet wurden. Auch eine Rückfrage am Infopoint brachte uns  nicht weiter. Auf unsere Frage, warum man kein Wasser in der Ausstellung trinken dürfe, bekamen wir folgende Antwort: "Wenn unser Mitarbeiter das nicht will, ist das so!" Empört zogen wir davon. Das ging ja gut los - keine 30 Minuten im Zoo und zwei ziemlich behindertendiskriminierende Erlebnisse. Um es noch einmal ganz deutlich zu machen: Es geht weder darum, günstiger in den Zoo zu kommen, noch auf das Recht, etwas zu trinken, zu bestehen. Uns hat in beiden Fällen die Art und Weise wie man mit uns umgegangen ist, extrem gestört. Mit ein paar freundlichen Worten hätte man beide Situationen besser meistern können. 

Nachdem wir uns ein wenig beruhigt hatten, traten wir unseren weiteren Weg durch den Zoo an, landeten aber innerhalb kürzester Zeit wieder am Eingang, weil die Wegführung durch den Zoo ohne Plan recht planlos verläuft. Also sind wir zurück an die Kasse und fragten nach einem Zooplan. Ja, den würde es geben, der kostet aber 20 Cent. Auf mein Grinsen bekam ich zur Antwort: "Der kostet ja nur Geld, damit der hier nicht überall auf den Wegen von den Leuten weggeworfen wird!" Kopfschüttelnd verlangte ich einen Plan, bezahlte die 20 Cent und nun versuchten wir anhand des Plans durch den Zoo zu kommen. Aber auch das gelang uns nicht immer, wobei wir in guter Gesellschaft waren, denn einer der häufigsten Sätze, den wir an dem Tag gehört hatten, lautete: "Wo müssen wir denn jetzt lang?" Auch die Beschilderung im Park lässt zu wünschen übrig und hilft nur, wenn man sich im Zoo auskennt. 

Trotzdem haben wir uns nicht abschrecken lassen und irrten mal mehr, mal weniger planlos durch den Zoo. Zugegebenermaßen gibt es einige interessante und schön angelegte Gehege, aber in vielen Gehegen konnte man nicht ein Tier entdecken. Entweder, weil sie sich in dem Wildwuchs, der in einigen Gehegen gewollt oder ggf. auch nicht gewollt ist, verstecken, oder weil einfach keine Tiere in den Gehegen sind. Neben einigen recht lieblos angelegten Gehegen fielen uns auch viele ungepflegte Wege und deren Seitenbepflanzung auf. Wir sind da vom Tierpark Hagenbeck und anderen Zoos wesentlich Schöneres gewohnt. Das trifft übrigens auch auf die sanitären Anlagen zu. Auch wenn es sich nicht mehr um die neusten handelt, könnten sie sauberer sein. Leider riechen sie alle sehr unangenehm und waren für einen Vormittag an einem Wochentag recht schmutzig. 

Leider fiel auch unsere obligatorische Mittagspause im Zoo aus, denn das von uns angesteuerte Restaurant hatte, wie einige andere Bistros etc. auch geschlossen. Kommentar eines genervten Vaters: "Ich laufe doch jetzt nicht den halben Weg zurück, um eine Wurst zu essen!" Recht hatte er - wir taten das auch nicht. Zumindest bekamen wir in Robbenhaven, dem wohl ehemaligen Delfinarium, einen kleinen Becher Kaffee für sagenhafte 2,30 €. Allerdings ohne Milch, denn die gab es nicht - nur Kaffeeweißer. In Robbenhaven fand gerade eine Seelöwenchau statt, die wir uns erspart haben, denn wir halten von solchen Shows überhaupt nichts und haben uns gewundert, dass so etwas überhaupt noch stattfindet. 

Alles in allem war es trotzdem ein schöner Tag, denn abends zogen wir folgende Bilanz: Der Eintritt ist mit 18,90 € plus 3 € Parkplatzgebühr recht hoch. Da erwarten wir einfach mehr. 

Aber es ist doch egal, dass dieser Ausflug ein kleiner Reinfall war, denn die Hauptsache ist, dass wir zusammen und gesund sind und wieder gemeinsam alles unternehmen können, was wir wollen. Alles andere ist unwichtig. Trotzdem werden wir die rund 600 km Hin- und Rückfahrt nicht noch einmal auf uns nehmen. Das ist dieser Zoo absolut nicht wert. 

Ein paar Bilder haben wir gemacht, aber wir haben uns dazu entschlossen diese nicht zu veröffentlichen. Denn wir können keine Empfehlung für diesen Park aussprechen.

„Nichts ist so schlimm, wie wir fürchten, nichts so gut, wie wir hoffen.“

Theodor Herzl
War ein österreichischer Schriftsteller, Publizist, Journalist und zionistischer Politiker.
* 02.05.1860 in Budapest, Ungarn
† 03.07.1904 in Edlach (Niederösterreich), Österreich

Sommertrenner-2012


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